Dauerausstellung, Nationalsozialismus

Pinneberg während des Krieges

Nach Kriegs­aus­bruch am 1. Sep­tem­ber 1939 fiel für etwa 10 Tage der Schul­un­ter­richt an allen Pin­ne­ber­ger Schu­len aus. Neue Ämter wur­den zur Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung gebil­det.

Die Ein­be­ru­fung vie­ler Män­ner stell­te die Betrie­be vor Umstel­lungs­pro­ble­me. Nicht nur die Stadt­ver­wal­tung reagier­te dar­auf mit der Ein­stel­lung zahl­rei­cher weib­li­cher Hilfs­kräf­te. Ab 25.9.1939 setz­te eine umfas­sen­de Waren­ra­tio­nie­rung ein. Die Ver­brau­cher erhiel­ten eine Unmen­ge von Bezugs­kar­ten.

Das Kreis­kran­ken­haus dien­te der Wehr­macht als Reser­ve­la­za­rett, für die leich­te­ren Fäl­le aus der Zivil­be­völ­ke­rung waren nun Kriegs­kran­ken­häu­ser im Pfle­ge­heim Kum­mer­feld und in der alten Schu­le Rel­lin­gen zustän­dig.

Die Pin­ne­ber­ger Wirt­schaft lief auf Hoch­tou­ren: In den ILO-Moto­ren­wer­ken waren 749 Mit­ar­bei­ter mit dem Bau von Maschi­nen und Moto­ren beschäf­tigt, Wup­per­man hat­te wie­der 558 Beschäf­tig­te und stell­te Land­mi­nen, Zün­der und Pack­ge­fä­ße her. Auch Metz­ger, Zwan­ger und Lüders gal­ten als Rüs­tungs­be­trie­be, bei denen schon bald Arbeits­kräf­te­man­gel herrsch­te.

Dies soll­te sich durch den Ein­satz von Kriegs­ge­fan­ge­nen und Fremd­ar­bei­tern ändern. Ende 1940 waren in Pin­ne­berg etwa 170 Aus­län­der gemel­det. Um 1944 hat­te sich die Zahl der aus­län­di­schen Arbeits­kräf­te auf etwa 950 erhöht. Mit­te 1940 beschäf­tig­te sich der Magis­trat zum ers­ten Mal mit der Errich­tung eines Gefan­ge­nen­la­gers in der Gast­stät­te Hols­ten­quel­le, des­sen Insas­sen für Indus­trie­be­trie­be, Stadt­bau­amt und Stadt­wer­ke arbei­te­ten.

Pin­ne­berg lag im Ver­tei­di­gungs­ring Ham­burgs. Abge­se­hen von einer Eisen­bahn­flak­bat­te­rie am Bahn­hof exis­tier­ten eini­ge grö­ße­re Schein­wer­fer­stel­lun­gen.

Am 24.7.1943 begann die Luftkriegs-“Operation Gomor­rha” gegen Ham­burg, der inner­halb von 10 Tagen 48.602 Per­so­nen zum Opfer fie­len und die die Hälf­te des Ham­bur­ger Woh­nungs­be­stan­des ver­nich­te­te. Sofort nach den ers­ten Angrif­fen setz­te ein Ansturm der betrof­fe­nen Ham­bur­ger auf die Rand­ge­mein­den ein. Kurz­zei­tig waren etwa 4.000 Ham­bur­ger Obdach­lo­se in Pin­ne­berg ein­quar­tiert, 50.000 im Kreis.

Ende August war die Zahl der in Pin­ne­berg leben­den Ham­bur­ger Flücht­lin­ge auf 1.400 zurück­ge­gan­gen und änder­te sich bis Kriegs­en­de kaum noch. Am Moor­kamp und in Wal­denau ent­stan­den für eini­ge der Luft­kriegs­op­fer Not­un­ter­künf­te.

Gegen Kriegs­en­de deu­te­ten sich Ver­zweif­lungs­ta­ten der dem Unter­gang nahen Natio­nal­so­zia­lis­ten an. Auf dem Flie­ger­horst Ueter­sen begann die Aus­bil­dung von Volks­sturm­füh­rern, am Katha­ri­nen­hof woll­ten fana­ti­sche Hit­ler­jun­gen den End­kampf gegen die nahen­den bri­ti­schen Trup­pen füh­ren.

Erst in letz­ter Minu­te wur­den Pan­zer­sper­ren auf der Elms­hor­ner Stra­ße und die Stel­lun­gen am Katha­ri­nen­hof geräumt.